Da homma in Salot!

Schlechtwetter und Kommunikationsprobleme im Waldviertel

Wir schreiben Ende Mai 2019. Wenn auch das Wetter regnerisch ist und die Temperaturen noch niedrig sind, sprießt in manchen Waldviertler Gärten (zumindestens im Glashaus) schon der erste Salat. Die Waldviertler HobbygärtnerInnen ernten ihn.
Und dann beginnt der Skandal mit der Sprache: Herbert steht in der Küche und fragt mich: „Wia sui I in Salod omoch’n?“ – Also: „Wie soll ich den Salat anmachen?“

In meinem Geiste sehe ich Herbert vor mir, wie er (1) vor dem Salat steht und frisch fröhlich reinludelt oder (2) zum Salat sagt: „Hallo du süßes Salathapperl. Wie wär’s denn mit uns beiden? I glaub du stehst a bissl auf mi.“ Das bedeutet es für eine Wienerin, wenn die Waldviertler den Salat „anmachen“ wollen. In Wien „macht man einen Salat ab“. Und die ganz vornehmen Menschen „marinieren“ ihn.

Schnecke frisst Salat, bevor die Waldviertler kommen und ihn „anmachen“.
© pixabay, bloodofeeve

Aber auch Herbert ist oft mit der Ausdrucksweise seiner Wiener Ehefrau unzufrieden. Heute in der Früh nach dem Aufstehen schaute ich mich in den Spiegel und stellte fest, dass meine Frisur aussieht, wie die von Kobold Pumuckl. Ich sagte: „Meine Haare sehen aus wie Sau!“
Herbert schüttelte den Kopf und wiederholte: „Schauen aus wie Sau… des kaunst des do hero’m net sog’n. Du kaunst sog’n:
Meine Hoar san ungsteam
oder
Meine Hoar stengan in olle Richtungen oder
I schau aus wir’a Weihnochtsbam!
Owa: Schauen aus wie Sau. Wia heat si’n des o!“
(Dt.: Sowas kannst du doch hier heroben nicht sagen. Du kannst sagen: „Meine Haare sind zerzaust“ oder „Meine Haare stehen in alle Richtungen“ oder „Ich sehe aus wie ein Weihnachtsbaum. Aber „schauen aus wie Sau“ – wie hört sich denn das an?“

I mog nimma…

Unser zweites Baby hat beschlossen, derzeit noch in meinem Bauch zu verweilen. Wir warten jeden Tag darauf, aber jeden Morgen, wenn ich aufwache, bin ich noch immer schwanger. Deswegen sitze ich auch noch immer hier und schreibe blöde Blogbeiträge.
Meine Buchhändlerin hat folgende Erklärung für die Verspätung der noch ungeborenen Chantal Celeste Bierdeckl: „Bei dem Wetter tat I a drin bleim!“
(Dt.: „Bei dem Wetter würde ich auch lieber drinnen bleiben!“)

Und die Moral von der Geschicht? Schlechtes Wetter mögen Waldviertler nicht.

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