A echte Woidviertlarin braucht kane Sock’n

Seit einiger Zeit leistet uns die kleine Zenzi schon bei Tisch Gesellschaft, natürlich ohne zu essen. Sie ist noch Vollzeit-Muttermilch-Trinkerin. Ihr Opa versucht die Kleine schon regelmäßig auf ihre Zukunft vorzubereiten und weist seine Enkelin auf eine Welt jenseits von Muttermilch hin: In seiner Träumen ist die kleine Zenzi bereits Grillkarree und Schweinsbraten, Schwomma und Erpfeknedl. Für eine Waldviertler Familie gibt es nicht Schöneres, als jungen Zuwachs, den man zu späterer Zeit wieder füttern und mästen kann, was das Zeug hält.
Papa Herbert beobachtet gerne seinen kleinen Sprössling beim Milch trinken und stellte eines Morgens begeistert fest: „Wie schön wär‘ das, wenn du ein paar Bissen Schweinsbraten essen, dann  einschlafen und anschließend direkt vor dem Brat’l wieder aufwachen könntest. Waun des gangat!“
Außerdem bekommt klein Zenzi bereit ihre ersten 2 Zähne. Wenn ihr das Zahnen Unbehagen bereitet massiere ich ihre Wangen mit Zahnungsöl und die Zahnleiste mit Zahnungsgel ein. Beide enthalten Nelkenöl und anschließend riecht Zenzi dann immer wie ein lebendiger Punschkessel. Ich nenne sie daher nach diesen Behandlungen „mein liebes Punschkind“.

Natürlich versuchen wir auch unser Kind zweisprachig zu erziehen (Waldviertlerisch, Hochdeutsch). Wie das geht habe ich ja schon bei befreundeten Eltern gesehen: Man zeigt dem Kind z. B. ein Bild oder einen Gegenstand und sagt dann: „Und wie sagt die Mama dazu? Und wie sagt der Papa dazu?“ Deshalb gehe ich bereits jetzt sprachlich achtsam mit unserer Zenzi um, wenn wir beide im Dorf spazieren gehen. Wenn die Hendln frei herumlaufen, erkläre ich ihr: „Die Mama sagt Hahn, der Papa sagt Ho’didl.“ Oder: „Die Mama sagt Getreidefeld, der Papa sagt Troad.“
Leider bemerke ich in diesem Prozess, dass ich noch immer große sprachliche Lücken im Waldviertlerischen aufweise. Letztens hörte ich zum Beispiel eine junge Mutter, die Probleme mit ihrem Kreuz hat, sagen: „Mei Kreiz wiad net bessa wegen dem Zah’n!“ Und ich fragte mich in hochdeutscher Manier, inwieweit die Zähne ihres Kindes wohl zur Verschlechterung ihrer Kreuzschmerzen beitragen würden, bis mir 5 min später klar wurde, was sie wirklich gemeint hatte.

Unsere Zenzi ist jetzt jedenfalls bald 6 Monate alt. Es hiabstlt scho uandlich bei uns heroben im Waldviertel. Und kommt erst der Herbst, so ist auch der Winter schon nah. Unserer Zenzi ist das kalte Wetter egal. Sie hat gerade das Socken-ausziehen für sich entdeckt. Wir spielen dieses Spiel den ganzen Tag: Mama zieht Zenzi Socken an, Zenzi zieht sich mit Begeisterung die Socken wieder aus. Und die Moral von der Geschicht? Dicke Socken braucht der Waldviertler nicht.

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