Waldviertler Kinderlieder

Im Mai war es endlich so weit: Unsere wunderschöne Tochter Kreszenzia Thusnelda Bierdeckl erblickte das Licht der Welt. Und weil ich ja schon exzellent im Waldviertel integriert bin, habe ich im Sinne von „a Woidviertla 3 Leit“ auch 3x so lange zum Gebären gebraucht, wie andere Mütter. Und damit unserer kleinen Zenzi nicht kalt wird, wurde sie auch mit 3x so vielen Haaren geboren, wie andere Kinder.
Als Herbert und ich noch do unten bei de Weana wohnhaft waren, meinte unsere damalige Frisörin im Spaß, dass es nicht gut wäre, wenn wir Kinder zeugen würden, da wir beide so viele Haare haben. Wir selbst haben uns oft gefragt, ob bei unserer Haarpracht vielleicht gar ein Afferl rauskommt. Und ob unsere genetische Verbindung die Menscheit wieder in ihren evolutionären Urzustand versetzt.
Apropos Evolution und damit in Verbindung gebrachte Funde von Urmenschen: Ich frage mich, ob der Ötzi vielleicht ursprünglich ein Waldviertler war, der sich gedacht hat: „I bins eh gwähnt vo daham, doss koid is. Do kon i a in die Ötztola Oipa spaziern geh, is eh ghupft wie ghatscht.“ Nur hat er nicht mit der Gletscherspalte gerechnet, in die er dann gefallen ist, weil es im Waldviertel ja nicht so hohe Berge gibt.
Herbert würde jetzt laut protestieren und mir erklären, dass es im Waldviertel den Nöwesta (Nebelstein) und den Mond’lsta (Mandelstein) gibt (Das sind wohlgemerkt Berge, keine Steine zum Raufkraxeln). Und wenn ich da rauf hatsche, würde ich schon merken, dass diese Waldviertler Berge super hoch sind. Zumindest höher als der Manharts-Hügel (denn als Berg kann man den ja nicht wirklich bezeichnen… aber egal).

Zurück zum Leben mit Baby im Waldviertel: Auch nach der langen Geburt bin ich noch fleißig geblieben. Bald stellte sich nämlich heraus, dass unsere Zenzi sehr gut auf Musik reagiert und gerne zu Mamas Gesang einschläft. Daher habe ich begonnen, mich mit Kinderliedern zu beschäftigen. Wie die meisten Mütter musste ich nach kurzer Zeit feststellen, dass ich aus irgendeinem Grund immer nur die erste Strophe von diversen Kinderliedern auswendig kann. Also musste ich einiges dazulernen. Das Hirn ist trotz Lerneifer aber nicht gefeit vor Übernachtigkeit und Stilldemenz. Wenn müde Waldviertler Eltern ihr Kind in den Schlaf singen, dann kommen meist so tolle Variationen heraus wie:

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da unten leuchten die Sterne, da oben leuchten wir“ (aber sicher nicht da oben im Hirnkastel, da ist das Licht schon aus und rabimmel rabammel rabumm nach Haus gegangen)

oder

„Es war eine Mutter, die hatte 4 Kinder, den Frühling den Sommer, den Herbst und den Winter. Der Frühling bringt Blumen, der Sommer den Schnee…“ (man darf das nicht so eng sehen. Das ist einfach nur die klimatisch angepasste Waldviertler Version des Kinderliedes)

Eigentlich sollte es noch viel mehr Waldviertler Versionen von Kinderlieder geben. Vor allem für arme Kinder, wie unsere Zenzi, die eine Wiener Mutter haben, damit sie g’scheit Dialekt reden lernen und nicht so g’scheat daherreden wie die Mama. Aus dem langweiligen hochdeutschen Fuchs du hast die Gans gestohlen könnte man z. B. Fuchs du host mei Hendl gfressen machen, oder Fuchs du host ma’n Heanadreck in’d Kuchl einezaht.

So, liebe Leitln. I muas jetzt wos doa. Mei Kind wü wos tringa. Und die Weisheit von der G’schicht: Eine Kuh macht „Muh“. Viele Kühe machen Mühe.

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