Vorgeburtliche Abenteuer im Waldviertel

Die Redaktion Waldtraud Biereckl meldet sich zurück mit einem neuen Beitrag. Mittlerweile stehe ich kurz vor meinem Geburtstermin. Mein Hirn funktioniert nicht mehr so richtig und mein Körper fühlt sich an wie ein überdimensionaler Sack Erpfen. Aber nicht so kleine Salaterdapfal (wie meine Oma aus Piesting sie immer genannt hat), sondern wie diese ganz großen, die man do herob’m zan Einkocha fia’d Erpfeknedl verwendet.

Über Namen muss ich mir ja zum Glück ja keine Gedanken machen, da wir ja schon einen Namen plus einen Blog-Künstlernamen für unser Kind haben. Trotzdem erinnerte ich mich vor kurzem an meine Namenssuche im Internet und in einem Namensbuch, dass meine Mutter mal in den 90ern gekauft hat. Der Inhalt wirkte eher, als wäre er aus dem 20er Jahren. Da standen fast nur so altmodische Namen wie Elfriede, Erwin und Co. drinnen. Teilweise sogar Namen, die man kaum noch kennt. Am besten gefielen mir Oralia (fia’r a Mensch) und Blasius (fia’r an Buam). Diese Namen existieren wirklich!
Im Waldviertel gibt es ja einige Nachnamen, die besonders häufig vorkommen, so wie Apfelthaler, Ableidinger, Ledermüller (ausgesprochen als Ledermüllner), usw. Und auch recht beliebt: Kitzler. Das wäre doch genial wenn diese beiden Kinder mit den besonderen Namen in die Familie Kitzler hineingeboren würden: Das waldviertelberühmte Geschwisterpaar Oralia und Blasius Kitzler bräuchte wahrscheinlich spätestens nach der Schulzeit dank der Namenswahl ihrer Eltern psychotherapeutische Unterstützung.

Außerdem waren wir in den letzten Wochen mit unserem Garten beschäftigt. Das Anpflanzen von Rasen hat sich als abenteuerlich herausgestellt: Das Schneewetter der letzten Woche haben ja alle mitbekommen. Soweit ich weiß ist das im Waldviertel ja normal. Als wir im März das Gras angepflanzt haben, wurden wir von mindestens 4 Leuten darauf hingewiesen, dass es sicher noch einmal drauf schneien wird. Sowas derf ma im Woidviertl net scheicha. (dt. vor so etwas darf man in Waldviertel keine Angst haben / so etwas darf man nicht aus Angst nicht vermeiden). Aber dieses Jahr hat sich das Waldviertel ja so gut wie in ganz Österreich ausgebreitet. Aber trotzdem: Lieber Waldviertler Wettergott, ich brauche keinen Schnee auf meinem Gras! Wieso hört sich dieser Satz jetzt seltsam an???!!!

Da das Wetter so schlecht war und es mir an manchem Tag nicht mehr ganz so gut geht, schaue ich jetzt mehr fern. Ich habe eine Serie aus meinen Teenager Jahren ausgegraben, die ich in den 90er Jahren jeden Samstag mit meiner Mutter und Schwester angeschaut habe: Charmed. Die Serie mit den drei Hexen.
Derzeit bin ich bei einer Folge angelangt, in der eine der Hexen von ihrem halb dämonischen Ehemann (Quelle des Bösen und Herr der Unterwelt) schwanger wird und durch das Kind in ihrem Bauch selbst dämonische Kräfte entwickelt. Sie kann jetzt zum Beispiel Flammen aus ihren Händen werfen, eine Fähigkeit die nur Dämonen auf hohem Level vorbehalten ist. Und sie mutiert schrittweise von einer guten Hexe zu seiner Königin der Unterwelt.
Ich frage mich die ganze Zeit ob das bei mir als gebürtige Wienerin mit meinem Waldviertler Kind dann auch so ist. Wie ich schon erwähnt habe, bin ich ja z. B. nicht mehr so dafror’n (dt. mir wird nicht mehr so leicht kalt) wie früher. Flammen aus meinen Händen kann ich leider nicht werfen, obwohl das wirklich praktisch zum Ofen oder Griller anzünden wäre. Aber vielleicht besitze ich ja jetzt alte Waldviertler Urfähigkeiten, die durch mein Kind automatisch auf mich übertragen wurden und weiß es gar nicht. Vielleicht kann ich jetzt Erpfe setzen oder Woid ausschnorten oder bin fähig riesige Granitfelsen zu heben, wie Obelix mit den Hinkelsteinen. Oder ich habe eine feine Nase für die Schwammerlsuche entwickelt (ähnlich wie ein Trüffelschwein – nur für Eierschwammerl), die mir ermöglicht jeden idealen Sammelplatz für Nagerl im Wald zu finden. Oder vielleicht kann ich jetzt in unschlagbarer Rekordzeit Mohnnudeln kochen. Vielleicht mutiere ich auch genetisch gerade selbst zur Waldviertlerin und wache plötzlich morgen im Wald auf einer Lichtung auf. Und dann kommen die Rehe und sprechen zu mir und sagen, dass ich mich in die Waldviertler Feenkönigin verwandelt habe und mein Kind in der Zukunft die Landwirtschaft vor künstlichen Pestiziden retten wird.

Wahrscheinlich bin ich aber nur durch das Aprilwetter und die Schwangerschaftshormone verwirrt. Ende. Aus.

 

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