Frühling im Waldviertel

Am 20. März 2017 hat der Frühling begonnen. Und mittlerweile hält er auch ins Waldviertel Einzug. Die Tageszeitung heute meldet am 23.03 „Waldviertler Bären erwachen aus dem Winterschlaf“. In meinem Geiste höre ich Herbert sagen: „Aber ich habe im Wald noch gar keine Him-Bären und Brom-Bären gesehen!“ Bei dem Gedanken schläft mir sofort das Gesicht ein.
Die Wölfe ziehen ihr Fell aus, ziehen weiter nach Beman (dt. Tschechien) und nehmen in Prag den Zug nach Narnia. Die Faune genießen die ersten Sonnenstrahlen und spielen ein Lied auf ihrer E-Gitarre. Die Waldelfen schwirren in der Luft herum und bestäuben die ersten Blumen und Fichtenbäume. Die brunftigen Elche tanzen um das erste Lagerfeuer.

Gestern gingen Herbert und ich über den Stadtplatz und er erklärte mir wieder die Welt (des Waldviertels): „Schau, bei uns im Woidviertl stengan die Kibara vur’m Eisg’schäft und net beim Wirschtlstond wia in Wean!“ Tatsächlich haben mit den ersten Sonnenstrahlen die ersten Eisgeschäfte aufgemacht. Das erinnert mich wieder an Irland: Das ganze Jahr feuchte Kälte, aber die Iren essen auch im Winter ein Eis. Wenn ich jemanden bei 6 Grad feuchter Kälte (die mir oft kälter vorkam als -20 Grad trockener Kälte im Waldviertel) bei Regen und Wind jemanden mit einem Eis sah, wurde mir bereits beim Zuschauen kalt. Ich dagegen stand daneben, umklammerte mit beiden Händen meine übergroße Tasse Ingwertee, die ich im Begriff war zu trinken und mir war noch immer kalt. Dagegen hilft nur Irish Coffee mit viel Whiskey. Oder ein Waldviertler Heizungs-Kind im Bauch. Normalerweise habe ich immer erst im Sommer Lust auf Eis. Dieses Jahr wäre ich auch schon so weit.

Heute ist übrigens der Mache-einen-Spaziergang-im-Park Tag. In Gmünd bietet sich da sicher der Schlosspark an. Aber wenn man es nicht so genau nimmt könnte man auch auf die Blockheide zu den beeindruckenden großen Wackelsteinen gehen, für die sie so berühmt ist. Ein absoluter mystischer Lieblingsplatz von mir im Waldviertel. Außer wenn er am Wochenende bei Schönwetter mit Touristen übersät ist, dann finde ich es dort immer weniger mystisch. Aber der Teufel hat sich dort vor einigen Jahrhundert ganz schön aufgeführt, wenn man die Sagen rund um die Blockheide betrachtet. Und das nur, weil er der Jungfrau Maria ihren wohlverdienten Waldviertel-Sommerfrische-Urlaub vermiesen wollte! Das ganze lief so:

Kurz vor der Geburt ihres einzigen Sohnes, beschloss Maria, dass es ihr in Israel während der Schwangerschaft zu heiß ist und sie deswegen dringend einen Wellness-Urlaub in einer kühleren, erfrischend Gegend mit viel Wald benötigt. Sie sah zahlreiche Werbekataloge durch (damals noch auf Stein oder Papyrus geschrieben mit handgezeichneten Bildern von Christoph Kolumbus) und entschied sich schließlich für’s Waldviertel. Da es noch keine Autos und Flugzeuge gab, ging sie einfach zu Fuß von Israel ins Waldviertel.
In Gmünd wollte sie in der Blockheide übernachten. Das gefiel dem Teufel gar nicht. Als ihr ein paar nette Bäckersleut bei der Durchwanderung der Blockheide auch noch einfach so 3 Brote schenkten, wurde er stinksauer, weil ihm die Waldviertler nie etwas schenken. Außerdem fühlte er sich als Außenseiter, weil ihn niemand zum Kaffee einlud und wenn er irgendwo ins Gasthaus kam und Bier bestellen wollte, wurde er stets vom Wirt rausgeschmissen mit den Worten: „Geh doch zur Hölle!“ Warum sollte es Maria also besser haben als er?
Daher verwandelte er die Brote in Stein. Man kann die so genannten 3 Teufelsbrote noch immer auf der Blockheide bewundern. Maria hätte zwar theoretisch auch eigenen Proviant mitgehabt – nämlich ein Kraut-Happl (typisch hebräische Kost und absolut koscher) – aber auch das hat der blede neidige Grantscherm in den berühmten Wackelstein verwandelt, den man als Krautkopf bezeichnet. Wenn man ein Steinbeißer ist, so wie in der unendlichen Geschichte, könnte man die Brote und das Kraut aber theoretisch noch essen.

Steinbeißer beim Mittagessen
Steinbeißer beim Mittagessen. Quelle: http://www.games4family.de

Zu dieser Zeit gab es auch noch keine gemütlichen Pensionen, Privatzimmer oder Hotels im Waldviertel, sondern die Sommerfrische-Gäste mussten sich ein Bett mitten im Wald suchen. Da Maria aber sehr naturverbunden war und sowieso an der frischen Luft übernachten wollte, störte sie das nicht. Sie fand ein nettes, frisch überzogenes Bett mitten auf der Blockheide und wollte sich niederlegen. Ihre Beine waren von der Schwangerschaft geschwollen und der lange Weg von Israel ins Waldviertel hatte dieses Leiden nicht unbedingt besser gemacht. Aber auch das gönnte der Teufel der armen Frau nicht und verwandelte auch dieses Bett in Stein. Auch das so genannte Teufelsbett gibt es noch immer in der Blockheide. Ich finde, dass es nicht sehr gemütlich aussieht.

Ob Maria enttäuscht am nächsten Tag wieder nach Israel zurück gekehrt ist oder trotzdem noch eine Woche im Waldviertel geblieben ist, wird in den Sagen und Legenden nicht erwähnt. Sie hätte lieber nach Irland fahren sollen, denn dort gibt es in den Sagen Nationalhelden, die hätten dem Teufel sicher den Garaus gemacht. Aber das war ihr von Israel aus wahrscheinlich zu weit.
Und ob sie wusste, dass der Teufel ihr den Urlaub verpatzt hat oder sie den Waldviertlern die Schuld dafür gab, weil sie das nicht wusste, bleibt auch unklar. In zweiterem Fall kann man froh sein, dass es damals noch kein Internet und keine Webseiten gab, sonst hätte es sicher schlechte Bewertungen gehagelt.

Die Redaktion Waldtraud Bierdeckl wünscht allen Lesern einen schönen und sinnlosen Frühlingsbeginn!

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