Waldviertler Faschingskostüme

Alle, die meinen Blog schon länger verfolgen, wissen ja, dass ich sehr bemüht bin, ein glänzendes Beispiel von geglückter Integration im Waldviertel zu sein. Das muss man auch, wenn man bedenkt welchen Ruf die WienerInnen am Land genießen: unfreundlich, kalt, schroff, schlecht gelaunt und was der Himmel noch was. Außer der Waldviertler Oma, die denkt da anders darüber. Als diese vor einigen Jahren hörte, dass ihr lieber Enkelsohn sich erfolgreich eine Wienerin aufgerissen hat, hatte sie Angst, dass sie mit so einer „feinen“ Person nicht mithalten kann. Die Erleichertung war groß, als sie festellte, dass ich nicht ganz so fein bin, wie ihre Vorstellung von mir. Man könnte fast sagen: „Ich bin mehr Oa als Eierlikör!“ Jetzt habe ich ein neues Waldviertler Sprichwort erfunden. Ich bin stolz auf mich – und ich hoffe der Rest der Waldviertler Bevölkerung auch.

Trotz dieser Errungenschaft sollte auch mein diesjähriges Faschingskostüm meinen unendlichen Integrationswillen zeigen…

Das mit der Integration war ja am Anfang gar nicht so leicht. Da hatte ich noch meinen persischen Nachnamen. In Österreich tun sich die meisten Leute ja schwer, diesen auszusprechen. Das liegt daran, dass die Leute immer versucht haben ihn auszusprechen, bevor sie ihn gelesen haben. Wenn man ihn nämlich einfach schrittweise von hinten bis vorne durchliest, ist er meiner Ansicht nach gar nicht so schwer.
Mein Plan war ja eigentlich den selbigen Nachnamen zu behalten, da er das letzte Zeugnis meiner halb-persischen Gene ist. Obwohl ich die Gesichtszüge meines Vaters habe, sehe ich ja nicht besonders persisch aus. Meine Mutter kommt nämlich aus dem südlichen Niederösterreich, ist blond und blauäugig und hat sich genetisch auch ganz schön darunter gemischt. Ich habe helle Haut, blaue Augen, dunkelbraune Haare und für halb persische Gene einen wirklich nur sehr kleinen Nasenhöcker.

Als ich in Irland auf Auslandssemester war, wurde ich regelmäßig für eine Spanierin gehalten – außer von den spanischen Auslandsstudenten natürlich. Ich antwortete dann stets: „No, this is a terrorist nose!“ (dt. „Das ist eine Terroristennase.“ Dialekt: „Des is a Nosn vo so an vawordackelten Murl!“) Mein (damals noch) Waldviertler Freund wurde dafür ständig für einen der Ihren (oder vielleicht sollte ich lieber sagen „einen der Iren“) gehalten und in Dublin gerne um den Weg gefragt oder dezent mit irischem Akzent vollgelabert. Wenn ich ein Foto hergezeigte, bekam er auch stets die Eigenschaft „definitely Irish“ zugesprochen.
Auf Kreta ging es mir dafür genauso wie ihm und ich wurde gerne auf griechisch angesprochen. Das lag aber auch sicher daran, dass ich so viel Raki getrunken habe wie die Kreter und trotz Unkenntnis der dortigen Tänze so viel und so leidenschaftlich tanze. Außerdem habe ich eine Vorliebe für griechisches Essen und eine Figur wie eine griechische Gastwirtin – daran könnte es auch liegen.

Also wie gesagt, ich sehe nicht sehr persisch aus. Dennoch fiel mir in der letzten Zeit mit meinem ehemaligen Nachnamen wiederholt auf, dass ich dauernd gefragt wurde: „Woher kommen Sie?“ Wenn ich dann mit: „Aus Wien.“ antwortete, hat es mir niemand geglaubt. Alle wollten hören: „Aus dem Iran. Aus Timbuktu. Aus Pakisafghanistanarabien.“ oder sonst was. Aber ich war noch nie im Iran und alles was ich darüber weiß, habe ich aus dem Persisch-Unterricht und diversen Niavarani-Kabaretts.
„Woher kommen Sie wirklich?“ fragen die Leute dann immer, wenn sie einem nicht glauben. Eine weitere Top-Frage als Reaktion auf meinen Nachnamen war außerdem: „Verstehen sie mich überhaupt?“. Ich hoffe doch. Ich komme zwar aus Wien, aber Deutsch ist trotzdem meine Muttersprache. Auch das Niavarani-Zitat: „Ich kann gut persisch essen und schlecht persisch sprechen.“ trifft vollends auf mich zu.
Diese Frage war schließlich ausschlaggebend dafür, dass ich nach der Hochzeit den besoffenen Namen meines Mannes (also Bierdeckl) angenommen habe. Seit dem werde ich nur mehr gefragt ob ich aus Wien komme und welches Bier ich haben will. Und ich kann sicher auch in heutigen Zeiten problemlos in die USA einreisen (wenn man das derzeit überhaupt will) – noch so ein Vorteil meines österreichisch-alkoholischen Nachnamens.

Das bringt mich auch auf das erste Faschings-Kostüm: Als Zeichen der österreichisch amerikanischen Freundschaft empfehle ich für den international ausgerichteten Waldviertler eine Kombination von Perchtenmaske kombiniert mit einer Trump-Frisur-Perücke.

Für eingefleischte Niederösterreich Fans empfehle ich folgende Kostüme:

  • Erwin Pröll mit Glatzen-Perücke (sicher billiger als normale Perücken mit Haaren) für den Nostalgiker von gestern.
  • Johanna Mikl Leitner für die zukunftsorientierte Niederösterreicherin von morgen. Das Kostüm gibts auch mit Steckerl zum Verschlucken.

Ich dagegen brauche im Fasching für a Gschnas (dt. ländliche Faschingsfeier) etwas Waldviertel-konformeres: Ich könnte als a Fiachtans (dt. Fichtenbaum) gehen, oder als Erpfe (dt. Erdäpfel). Oder als Granitblock. Auch a Karpf warad sicha sche. (Die WienerInnen unter euch sollten das dank meinem Übungseinheiten in Waldviertlerisch schon verstehen – wenn nicht suchts euch das bitte selber aus dem Wörterbuch. Wenn man eine Sprache lernen will, muss man schon auch selbstständig daheim üben!)

Diese Kostüme kann man jedenfalls leicht mit regionalen Erzeugnissen selber basteln und sind sogar großteils ökologisch abbaubar.

Da ich aber schon sehr schwanger bin, denke ich, dass ich mich als trächtige Kuh verkleide. Ich denke das würde super authentisch aussehen. Ich muss nur in der Nähe meines Mannes bleiben, damit er dafür sorgt, dass die Waldviertler mich nicht für an Brocka Fleisch mit an urndlichen Fettrandl halten und gleich auffressen wollen.

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