Braunschlag

Sollte es jemand noch nicht mitbekommen haben: Bei Braunschlag handelt es sich um eine Serie von Robert Palfrader, die im Waldviertel spielt. Da ja bereits alle wissen, dass das Waldviertel mein Lieblingsthema ist, dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre, dieser Serie ein paar Worte zu widmen. 

Braunschlag hat einige Menschen im Bezirk Gmünd irritiert, die eigentlich in das nette Örtchen Eisgarn fahren wollten und sich plötzlich in Braunschlag wiederfanden – und das obwohl sie wussten, dass sie in Eisgarn waren und alles sehr nach Eisgarn aussah. Das lag vermutlich daran, dass sie für den Dreh der Serie das Ortsschild ausgetauscht hatten.

An sich gefällt mir die Serie ja sehr gut, da sie einen manchmal mehr und manchmal minder versteckten schwarzen Humor verbreitet und die Geschichten zwischen Alltagsrealität und Absurdem angesiedelt sind, was ich persönlich ja sehr mag. Was mich allerdings irritiert, ist, dass mir sprachlich das so genannte „Lokalkolorit“ fehlt. Unter Lokalkolorit versteht man alles, was einer Geschichte das Gefühl verleiht, dass man sich genau an dem Ort und zu der Zeit befindet, in der die Geschichte spielt. Puuuhhh – ich hab’s wieder geschafft und meinen Bildungsauftrag erfüllt… Das öffentliche Fernsehen kann stolz auf mich sein.Egal.

Was ich damit sagen will: Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass ich eine Geschichte mit Waldviertlern sehe, wenn alle Schauspieler Weana sind und auch so klingen. Ich fühle mich sprachlich eher in den 12. Wiener Gemeindebezirk versetzt. Wenn ich meine Augen ganz fest schließe und denen beim Reden zuhöre sehe ich vor meinem geistigen Auge die U6, den Donauturm, den Gürtel und den Häupl mit einer Flasche Himbeerkracherl in der Hand. Ich sehe, wie Erwin Pröll auf seiner Glatze wieder Haare wachsen, weil er sich auch gerade Braunschlag anschaut und akustisch bei bestem Willen keine Waldviertler finden kann. Ich sehe wie der verstorbene Schriftsteller Thomas Bernhard aus dem Grab aufsteht und Chef von Microsoft wird. Was ich nicht sehe sind Wälder, Rehe, Hirsche, Hasen und Mohnfelder.Und wenn ich als „nicht-native-Woodquaterisch-Speaker“ das schon höre, dann hören die echten Waldviertler das erst recht. Wenn er schon keine echten Waldviertler Schaupieler und Innen engagiert hat, dann könnte der Palfrader wenigstens mir als stukadiert-akademisch-geprüften interkulturell bewanderten und schauspielerisch begnadeten Waldviertlerisch-Sprecherin eine Rolle geben. Das wäre immerhin mehr Waldviertlerisch als man sonst in der Serie hört. Ich könnte den Huaba-Bauer spielen, oder die Pfarrers-Köchin oder eine Frostituierte, die im Jänner bei -30 Grad in Allentsteig steht und auf einen Freier wartet.

Ein Freund von mir meinte dazu: „Vielleicht gibt es ja keine guten Schauspieler im Waldviertel!?!“ Also das kann ich leider nicht bestätigen. Die mir bekannten Schauspieler heißen zwar nicht Roy Black, Peter Alexander und Angelina Jolie sondern haben im Waldviertel eher Namen wie Ableidinger, Apfelthaler oder Holzmüller. Aber ich habe im Waldviertel tatsächlich wieder angefangen ins Theater zu gehen. In Wien habe ich das dank vieler ehrgeiziger Neuinszenierungen aufgegeben. Spätestens da, als ich Hamlet in Lack und Leder mit einer Peitsche in der Hand gesehen habe, dachte ich mir, dass das ja auf koa Kuahaut geht und habe die Theaterbesuche wieder sein lassen. Im Waldviertel gehe ich sehr gerne ins Theater. Die Stücke die ich bisher gesehen habe sind gerade so angepasst, dass moderne Menschen sie noch verstehen, verloren aber in diesen Inszenierungen nicht ihr ursprüngliches Flair. Und das ist mehr mein Ding. Dong. Niemand steht vor der Tür. Ende. Und aus.

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